Schutzmaßnahmen bei der Amalgam-Entfernung

Wie die Quecksilber-Belastung des Körpers vermieden wird

Kofferdam: Eine der vielen Schutzmaßnahmen bei der sicheren Amalgamentfernung (© Dr. Hartmut Sauer)
Kofferdam: Eine der vielen Schutzmaßnahmen bei der Amalgamentfernung

Wenn Amalgam ohne Schutzmaßnahmen entfernt wird, kommt es innerhalb weniger Minuten zu einer starken Quecksilber-Belastung des Körpers. So viel, wie sich innerhalb von zehn Jahren allmählich aus dem Amalgam gelöst hätte.

 

Die Folgen dieser plötzlichen hohen Belastung sind manchmal sofort zu spüren, manchmal erst nach 3-6 Monaten. Welche das sein können, erfahren Sie auf der Seite Krank durch Quecksilber.

 

Bitte beachten Sie:

Nur wenn alle hier beschriebenen Schutzmaßnahmen angewandt werden, kann eine Quecksilber-Belastung bei der Amalgam-Entfernung sicher vermieden werden!

 


Die Schutzmaßnahmen im Einzelnen

1. Gute Raumbelüftung

Gute Raumbelüftung zur Vermeidung von Quecksilberdampf-Ansammlung in der Atemluft. (© Trout55 - Fotolia.com)

 

 

Beim Entfernen des Amalgams wird Quecksilber-Dampf freigesetzt, der aus der Mundhöhle in die Raumluft gelangt.

 

Zum Schutz für den Patienten und das Zahnarzt-Team wird das Behandlungs-Zimmer deshalb gut belüftet, indem Fenster und Türen offen gehalten werden.

 

 

 

Das schützt alle Beteiligten davor, den giftigen Quecksilber-Dampf einzuatmen.

 


2. Medizinische Aktivkohle

Medizinische Aktivkohle zum Binden von Giftstsoffen in Magen und Darm. (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Vor Beginn der Behandlung bekommen Sie medizinische Aktiv-Kohle zum Einnehmen:

 

Entweder als in Wasser aufgelöstes Pulver oder als Tabletten zum Zerkauen und Schlucken zusammen mit einem großen Glas Wasser.

 

 

 

Aktivkohle ist ein bewährtes Entgiftungsmittel, das Giftstoffe in Magen und Darm bindet und über den Stuhlgang ausscheidet.

 

Aktivkohle ist völlig nebenwirkungsfrei, weil sie aus reinem Kohlenstoff besteht, wie er auch in unserem Körper vorkommt.

 


3. Schwefelhaltige Mundspülung

Schwefelhaltige Mundspülung zur Bindung von Quecksilber im Mund. (© olezzo - Fotolia.com)

 

 

Nach der Aktivkohle erhalten Sie eine schwefelhaltige Lösung zur Spülung des Mundes. Sie muss die gesamte Mundschleimhaut benetzen. Warum? Quecksilberdampf dringt durch den Kofferdam (s.u.) und würde von der Mundschleimhaut aufgenommen und in den Körper gelangen.

 

 

 

Der Schwefel in der Lösung bindet Quecksilber, so dass es nicht mehr von der Schleimhaut aufgenommen werden kann.

 


4. Kofferdamm

Kofferdam zur Abdeckung des gesamten Mundraumes bei der Amalgam-Entfernung (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Als nächstes wird der sog. Kofferdam angelegt. Das ist ein gummiartiges Tuch aus Latex oder einem ähnlichen Material. Er deckt die Mundhöhle nach hinten ab und lässt nur die zu behandelnden Zähne und deren Nachbarzähne frei. Der Kofferdam schützt Sie davor, Amalgamteile zu verschlucken.

 

 

 

Außerdem verhindert er sog. Amalgam-Tätowierungen. Die können entstehen, wenn ausgebohrte Amalgamteile in die Mundschleimhaut gelangen.

 

Diese Teile würden sich allmählich auflösen und dunkle Flecken in der Schleimhaut bilden.

 


5a. Sauerstoff-Nasensonde

Sauerstoff-Nasensonde (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Während der Amalgam-Entfernung bekommen Sie über die Nasensonde medizinischen Sauerstoff in einer ganz bestimmten Menge zugeführt. Er soll verhindern, dass Sie Quecksilberdampf mit der Atemluft einatmen.

 

 

 

Dazu werden zwei weiche kurze Schlauchstücke in die Nasenöffnungen eingeführt und mit Hautpflaster fixiert, damit sie während der Behandlung nicht verrutschen.

 


5b. Sauerstoff-Nasenmaske

Nasenmaske für die Zufuhr von Sauerstoff und ggf. auch Lachgas. (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Alternativ kann auch eine sog. Nasenmaske verwendet werden, über die nicht nur Sauerstoff zugeführt werden kann, sondern ggf. auch Lachgas.

 

Lachgas ist eine risikolose Alternative zur Narkose für ängstliche Patienten.

 

 

 

Sie sind während der sog. Lachgas-Sedierung die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein, aber die Behandlung verursacht Ihnen keinen Stress. Nach der Behandlung sind Sie sofort wieder voll einsatzfähig.

 


6. Augenschutzbrille

Nasenmaske für die Zufuhr von Sauerstoff und ggf. auch Lachgas. (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Während der Entfernung des Amalgams können kleine Teilchen aus der Mundhöhle geschleudert werden und in die Augen gelangen.

 

Damit das nicht passiert, bekommen Sie eine dicht anliegende Schutzbrille aufgesetzt.

 

 

 

Auch der Zahnarzt und sein Team tragen zu ihrem eigenen Schutz solche Brillen.

 

Auf dem Foto erkennen Sie übrigens auch die angelegte Sauerstoff-Nasensonde.


7. Goldbedampfte Atemmaske

Goldbedampfte Atemschutzmaske zum Schutz vor Quecksilberdampf. (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Als zusätzlichen Schutz bekommen Sie eine mit Gold bedampfte Atemschutzmaske. Das Gold bindet Quecksilber, so dass es nicht durch die Maske in die Nase gelangen kann. Diese Maske wird aus hygienischen Gründen nur für einen Patienten verwendet und danach entsorgt.

 

 

 

Auch der Zahnarzt und sein Team tragen zu ihrem eigenen Schutz solche Atemschutzmasken.

 

Wenn die dicht abschließende Sauerstoff-Nasenmaske verwendet wird, ist die Atemschutzmaske nicht notwendig.

 


8. Speichelzieher

Speichelzieher, der unter dem Kofferdam eingelegt wird. (© Michael Kolbe - Fotolia.com)

 

 

Der Speichelzieher wird unter dem Kofferdam neben der Zunge eingelegt. Er saugt während der Amalgam-Entfernung kontinuierlich den Speichel ab.

 

 

 

Auch das dient Ihrem Schutz, damit Sie so wenig wie möglich Speichel während der Behandlung schlucken.

 


9. Quecksilberdampf-Absaugung

Quecksilberdampf-Absaugung (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Während der Amalgam-Entfernung wird Quecksilberdampf freigesetzt, den Sie und das Zahnarzt-Team einatmen könnten.

 

Damit das nicht geschieht, wird eine spezielle Quecksilberdampf-Absaugung eingesetzt, deren Öffnung knapp über dem Mund platziert wird.

 

 

 

Der aufgesaugte Dampf wird in speziellen Filtern gesammelt, damit er nicht in die Raumluft gelangt.

 

Die Filter müssen später als Sondermüll entsorgt werden.

 


10. Schnellläufer statt Turbine

Schnellläufer-Winkelstück für die sichere Amalgam-Entfernung (© stieberszabolcs - Fotolia.com)

 

 

Normale Zahnarztschleifer (sog. Turbinen) entwickeln bis zu 450.000 Umdrehungen pro Minute. Diese hohe Drehzahl kann wegen der Wärmeentwicklung zu vermehrter Quecksilberdampf-Bildung führen.

 

 

 

Deshalb werden bei der sicheren Amalgam-Entfernung sog. Schnellläufer-Winkelstücke mit einer niedrigeren Drehzahl von ca. 200.000 pro Minute verwendet.

 


11. Spezielle Hartmetallfräsen

Einmal-Hartmetallfräsen für die sichere Amalgam-Entfernung (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Normale Zahnarztbohrer entwickeln beim Schleifen zu viel Wärme. Dadurch wird vermehrt Quecksilber-Dampf freigesetzt.

 

Um das zu vermeiden, werden bei der sicheren Amalgam-Entfernung spezielle Hartmetall-Fräsen verwendet.

 

 

 

Diese Fräsen haben eine extrem hohe Schneidewirkung und entwickeln deshalb weniger Wärme. Da sich die Fräsen durch Gebrauch abnutzen, werden sie jeweils nur für eine Sitzung verwendet und danach entsorgt.

 


12. Wasserkühlung und Absaugung

Starke Wasserkühlung und gute Absaugung sind wichtig bei der sicheren Amalgam-Entfernung (© Chalabala - Fotolia.com)

 

 

Eine gute Wasserkühlung bei der Entfernung des Amalgams verhindert ebenfalls Wärmeentwicklung und Quecksilberdampf-Bildung. Deshalb wird bei der sicheren Amalgam-Entfernung konsequent gekühlt.

 

 

 

Das Kühlwasser mit dem Schleifstaub wird sofort und sorgfältig abgesaugt.

 


13. Lupenbrille

Lupenbrille zur Kontrolle, ob alles Amalgam entfernt wurde (© contrastwerkstatt - Fotolia.com)

 

 

Es ist wichtig, dass bei der sicheren Amalgam-Entfernung keine kleinen Amalgamreste übersehen werden und im Zahn verbleiben.

 

Deshalb kontrolliert der Zahnarzt den Zahn mit einer Lupenbrille.

 

 

 

Außerdem kontrolliert auch die Assistenz des Zahnarztes nach dem Vier-Augen-Prinzip den Zahn. Erst wenn beide überzeugt sind, dass keine Amalgamreste mehr vorhanden sind, folgen die nächsten Schritte.

 


14. Große Stücke entfernen

Entfernung des Amalgams in großen Stücken, um die Quecksilberdampf-Bildung zu verringern (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Je weniger im Amalgam geschliffen wird, desto weniger Quecksilber-Dampf entsteht. Deshalb werden die Füllungen nicht "pulverisiert", sondern in wenige große Stücke zerteilt.

 

 

 

Die einzelnen Teile werden dann im Stück aus dem Zahn heraus gehebelt.

 


15. Amalgamteile sammeln

Gesammelte Amalgamteile (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Die entfernten Amalgam-Teile werden in einem dicht verschließbaren Glasgefäß gesammelt und nach Abschluss der Behandlung dem Patienten mitgegeben.

 

Warum?

 

 

 

Manchmal wird als Begleit-Maßnahme bei der späteren Entgiftung Bioresonanz eingesetzt. Für die Bioresonanz-Therapie benötigt man Proben der früheren Amalgam-Füllungen.

 


16. Unterfüllungen entfernen

Die vorherige Kontrolle der Füllungstiefe auf dem Röntgenbild ist wichtig, um Verletzungen des Zahnnervs zu vermeiden. (© pressmaster - Fotolia.com)

 

 

Außer dem Amalgam müssen auch die sog. Zement-Unterfüllungen sorgfältig entfernt werden. In diese ist Quecksilber aus dem Amalgam eindiffundiert, das natürlich nicht belassen werden darf.

 

 

 

Da die Unterfüllungen oft sehr tief bis nahe an den Zahnnerv reichen, muss die Tiefe vorab auf dem Röntgenbild geprüft werden, damit es zu keiner Verletzung des Zahnnervs kommt.

 


17. Quecksilber aufsaugen mit Algen

Algenpulver saugt nach der Amalgamentfernung Quecksilber aus dem Zahn auf (© Dr. Hartmut Sauer)

 

 

Nachdem die Unterfüllungen entfernt wurden, kommt für mehrere Minuten ein spezielles Algenpulver in die Zähne, um Quecksilber aufzusaugen, das in die Zahnsubstanz eindiffundiert ist.

 

 

 

Nach der Einwirkzeit wird das Algenpulver mit einem kräftigen Wasserstrahl abgesprüht und abgesaugt.

 


18. Aussprühen des Mundes

Aussprühen und gründliches Absaugen des Mundes nach der Amalgamentfernung (© praxisdesign - Fotolia.com

 

 

Als nächstes wird der Kofferdam abgenommen und der gesamte Mund kräftig ausgesprüht. Damit wird das vom Schwefel der Mundspüllösung gebundene Quecksilber abgesprüht und abgesaugt.

 

 

 

Danach können Sie Ihren Mund ausspülen.

 


19. Schwefelhaltige Mundspülung

Erneute Mundspülung mit schwefelhaltiger Spülung nach der Amalgamentfernung (© olezzo - Fotolia.com

 

 

Zur Sicherheit bekommen Sie noch einmal die schwefelhaltige Mundspülung, um eventuell noch verbliebene Quecksilberreste zu binden.

 

 

 

Danach spülen Sie Ihren Mund erneut kräftig aus und mit Wasser nach.

 


20. Medizinische Aktivkohle

Erneute Einnahme von Aktivkohle nach der Amalgamentfernung (© Dr. Hartmut Sauer

 

 

Als letzte Schutzmaßnahme bekommen Sie noch einmal medizinische Aktivkohle zum Einnehmen.

 

 

 

Danach ist die sichere Amalgam-Entfernung abgeschlossen.

 


21. Füllung der Zähne

Links: Amalgam-Füllungen. Rechts: Keramik-Inlays (© Dr. Hartmut Sauer

 

 

Zum Schluss werden die Zähne mit einem metallfreien Füllungs-Material versorgt. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, erfahren Sie auf der Seite Alternativen zum Amalgam.

 

 

 

Auf dem Foto sehen Sie links Amalgam-Füllungen. Auf der anderen Seite wurde das Amalgam bereits sicher entfernt und durch Keramik-Inlays ersetzt.

 


Welche metallfreien Füllungs-Alternativen gibt es zum Amalgam?

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